Während zu Beginn des Jahres die Ankündigung eines Abbaus von 40 der 180 Stellen bei der SDA noch recht zögerlich aufgenommen wurde, hat sich das Thema unterdessen zum heissesten Medienthema der Woche hochstilisiert. Grund dafür ist sicherlich der unbefristete Streik der SDA-Belegschaft, dem sich ausser der Kader praktisch alle Journalisten angeschlossen hatten. Dem Streik vorangegangen war am letzten Wochenende ein völlig verunglücktes Interview mit SDA-Geschäftsführer Markus Schwab in der NZZ AM SONNTAG, das geharnischte Reaktionen zur Folge hatte und den Druck auf Verwaltungsrat und Geschäftsleitung massiv erhöhe. Schwab, bis zum Herbst letzten Jahres Finanzchef der SDA, sagte beispielsweise aus, die SDA sei niemandem sonst verpflichtet als seinen Aktionären. Ebenso stellte er in Abrede, dass die SDA einen „Service public“ erbringe oder einen solchen Auftrag hätte. – Beide Aussagen sind, man kann es nicht anders sagen, törricht, insbesondere in einem Moment, in dem die Eidgenossenschaft ihre Bereitschaft signalisierte, der SDA jährlich 2 Millionen Franken aus dem Empfangsgebühren-Topf zukommen zu lassen (ab 2019). Aber nicht nur: Die äusserst seccen Aussagen von Schwab haben verschiedene, insbesondere politische Akteure, auf den Plan gerufen, etwa den ehemaligen TV-Mitarbeiter und heutigen SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der lautstark Schwabs Rücktritt verlangt. Die streikenden SDA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten dann auch nicht mehr mit der Geschäftsleitung, sondern direkt mit dem Verwaltungsrat, ins Gespräch kommen.
Dieser signalisierte schliesslich am Donnerstag die Bereitschaft, eine Delegation für ein Gespräch zu treffen. Die SDA-Belegschaft wollte schliesslich am Freitagvormittag entscheiden, wie es weitergeht und ob der Streik fortgeführt werden kann.
Aufgeschreckt durch den Abbau haben unterdessen verschiedene Medientitel die Hintergründe zum Niedergang der SDA aufgearbeitet. Am umfassendsten wohl die REPUBLIK mit ihrem Hintergrundstück „Sabotage am Förderband der Realität“. Der Artikel zeigt gut auf, dass auch bei der SDA massive Managementfehler der Vergangenheit zur heutigen Situation geführt haben. Das Wort „auch“ deshalb, weil wohl insgesamt das Darben der heutigen Verlagshäuser über weite Strecken selbstverschuldet ist. So haben und hatten die Verlagshäuser mit dem Aufkommen des Internets keinerlei Strategien bereit. Wenn sie heute beklagen, dass beispielsweise viele Werbegelder ins Ausland (und konkret: an Google und Facebook) abflossen, dann ist das zwar richtig, es muss aber angeführt werden, dass auch die Verlagshäuser nie eine Strategie verfolgt hatten, dem mit eigenen innovativen Lösungen entgegenzuhalten.
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